Informationen zu Ihrem Karotisultraschall

Bei Ihnen wurde eine Ultraschalluntersuchung der Halsschlagadern (Karotisarterien) durchgeführt. Ziel dieser Untersuchung ist es, mögliche Veränderungen der Gefäßwände (Atherosklerose) und bestehende Ablagerungen (Plaques) frühzeitig zu erkennen. Werden solche Veränderungen rechtzeitig festgestellt, können beeinflussbare Risikofaktoren gezielt behandelt und das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich reduziert werden.

Was sagt der Karotisultraschall aus?

Arteriosklerose betrifft meist nicht nur ein einzelnes Gefäß, sondern kann verschiedene Arterien des Körpers betreffen. Die Halsschlagadern geben deshalb einen wichtigen Hinweis auf den allgemeinen Zustand des Gefäßsystems.

Sind die Halsschlagadern unauffällig, ist dies ein günstiger Befund. Eine Erkrankung anderer Gefäße, insbesondere der Herzkranzgefäße, kann zwar nicht zu 100% ausgeschlossen werden, auf der anderen Seite gilt: Werden Plaques festgestellt, spricht dies dafür, dass bereits eine arteriosklerotische Gefäßveränderung besteht. Dann ist auch die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass weitere Gefäßregionen betroffen sein können.

Wie entstehen Plaques?

Schematische Darstellung einer atherosklerotischen Plaque mit etwa 50-prozentiger Gefäßverengung.

Schematische Darstellung

Die Innenseite eines gesunden Blutgefäßes ist von einer sehr dünnen Zellschicht ausgekleidet, dem sogenannten Endothel. Diese Schicht sorgt dafür, dass das Blut ungehindert fließen kann und die tiefere Gefäßwand geschützt bleibt.

Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen und Diabetes mellitus können das Endothel über viele Jahre schädigen. Dadurch wird die Gefäßwand durchlässiger. LDL-Cholesterin kann sich dadurch unter das Endothel einlagern und dort eine Entzündungsreaktion auslösen.

Im weiteren Verlauf lagern sich zusätzliche Fette, Entzündungszellen und Bindegewebe ein. So entsteht allmählich eine Plaque. Falls die Risikofaktoren bestehen bleiben, wird diese Plaque weiter wachsen, verkalken und das Gefäß zunehmend verengen.

Gefährlich ist nicht nur die Verengung selbst. Wird die Oberfläche einer Plaque instabil und reißt ein, kann sich ein Blutgerinnsel bilden, das das Gefäß plötzlich verschließt. In den Herzkranzgefäßen kann dies zu einem Herzinfarkt, in hirnversorgenden Gefäßen zu einem Schlaganfall führen.

Welche Risikofaktoren spielen eine Rolle? 

Die Entstehung von Plaques wird durch verschiedene Risikofaktoren begünstigt. Besonders wichtig sind erhöhte LDL-Cholesterinwerte, Bluthochdruck, Rauchen und Diabetes mellitus.

Auch Übergewicht, Bewegungsmangel, eine chronische Nierenerkrankung, zunehmendes Lebensalter und eine familiäre Veranlagung können das Risiko erhöhen.

Nicht alle Risikofaktoren lassen sich beeinflussen. Umso wichtiger ist es, die veränderbaren Faktoren konsequent zu behandeln. Dazu gehören insbesondere ein gut eingestellter Blutdruck, niedrige LDL-Cholesterinwerte, der Verzicht auf Nikotin, regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung.

Welche LDL-Zielwerte gelten? 

Das LDL-Cholesterin ist einer der wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren für die Entstehung und das Fortschreiten der Arteriosklerose. Grundsätzlich gilt: Je höher das persönliche Herz-Kreislauf-Risiko ist, desto niedriger sollte der LDL-Wert liegen.

Als Orientierung gelten folgende Zielwerte:

Niedriges Risiko: unter 116 mg/dl
Mäßiges Risiko: unter 100 mg/dl
Hohes Risiko: unter 70 mg/dl
Sehr hohes Risiko: unter 55 mg/dl

Bei nachgewiesenen Plaques muss der Zielwert individuell festgelegt werden. Entscheidend sind das Ausmaß des Befundes und weitere Risikofaktoren. Der für Sie passende LDL-Zielwert sollte deshalb ärztlich bestimmt werden.

Was können Sie selbst tun? 

Eine herzgesunde Lebensweise ist die Grundlage jeder Vorbeugung und Behandlung. Besonders wichtig sind regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, der Verzicht auf Nikotin sowie eine gute Einstellung von Blutdruck und Blutzucker.

Bei Übergewicht kann bereits eine moderate Gewichtsreduktion das persönliche Herz-Kreislauf-Risiko senken. Auch das LDL-Cholesterin lässt sich durch Ernährungsumstellung, Bewegung und Gewichtsabnahme häufig reduzieren. Das Ausmaß ist individuell unterschiedlich und reicht bei deutlich erhöhten Ausgangswerten nicht immer aus, um den empfohlenen Zielwert zu erreichen.

Wann sind Medikamente sinnvoll? 

Wenn das LDL-Cholesterin deutlich erhöht ist, bereits Plaques vorhanden sind oder ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko besteht, wird zusätzlich eine medikamentöse Behandlung erforderlich.

Medikamente ersetzen eine gesunde Lebensweise nicht, sondern ergänzen sie. Sie senken das LDL-Cholesterin deutlich stärker und tragen dazu bei, das Fortschreiten der Arteriosklerose zu bremsen und Plaques zu stabilisieren.

Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt vom Ausgangswert, dem persönlichen Zielwert, weiteren Erkrankungen und der individuellen Verträglichkeit ab.

Was bedeutet Ihr persönlicher Befund? 

Der Karotisultraschall zeigt, ob die Gefäßwände unauffällig sind oder ob bereits Verdickungen, Plaques oder relevante Verengungen bestehen.

Der Befund ist ein wichtiger Baustein Ihrer persönlichen Vorsorge. Er ersetzt jedoch keine vollständige Risikobeurteilung. Entscheidend ist die gemeinsame Bewertung von Ultraschallbefund, Blutdruck, LDL-Cholesterin, Blutzucker, Nikotinkonsum, familiärer Vorbelastung und weiteren Risikofaktoren.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie kann das Risiko für eine koronare Herzkrankheit durch rechtzeitige Lebensstiländerungen und eine gezielte medikamentöse Behandlung um bis zu 90 Prozent gesenkt werden.

Quellen

Leitlinien der europäischen und amerikanischen Gesellschaft für Kardiologie

  • European Society of Cardiology (ESC), European Atherosclerosis Society (EAS):
    2025 Focused Update of the 2019 ESC/EAS Guidelines for the Management of Dyslipidaemias. European Heart Journal, 2025.
  • European Society of Cardiology (ESC):
    2021 ESC Guidelines on Cardiovascular Disease Prevention in Clinical Practice. European Heart Journal, 2021.

Die Inhalte wurden für Patientinnen und Patienten allgemeinverständlich zusammengefasst. Maßgeblich für die individuelle Behandlung sind der persönliche Befund und die ärztliche Risikobeurteilung